Grußwort Heike Stijohann

 

… und niemand hat mich besucht (?!)

Ein trauriger Satz, manchmal auch zornig und enttäuscht. Keiner interessiert sich für mich, keiner merkt, dass ich nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehme, ich bin unwichtig, unbedeutend, habe keinen Gesprächspartner mehr, werde EINSAM.

… und niemand hat mich besucht!

Ist ein Satz aus der Bibel. Jesus sagt ihn als Gleichnis zu seinen Zuhörern – und erhält prompt die Antwort:

„aber – wann haben wir dich denn krank gesehen oder gefangen (DICH hätten wir natürlich besucht, das wäre uns doch aufgefallen)

Und die Antwort: Ich sage Euch, was ihr nicht getan habt einem der geringsten meiner Brüder, das habt ihr mir nicht getan!

Aus diesen Sätzen spricht der urchristliche Auftrag, sich zu kümmern: um Durstige und Hungernde, um Fremde und Bedürftige, um Kranke, Gefangene und Einsame!

Dies lässt sich nicht nur auf Gemeindeglieder beschränken! Deshalb möchten wir die Arbeit eines überkonfessionellen ( ! ) Besuchsdienstes auf Mallorca fördern und unterstützen:

an den elementaren Grenzen des Lebens, wenn es um Gefühle, Befürchtungen, Schmerz geht, braucht man Menschen, die zuhören können – und die Muttersprache sprechen.

Selbst wer vielleicht ein bisschen spanisch sprechen kann, wird nie spanisch weinen können, Worte für sein Fühlen oder die Ängste finden!

Älter werden auf Mallorca bedeutet fast regelmäßig zu vereinsamen, die sozialen Bindungen nach Deutschland sind zurück geblieben und beschränken sich auf wenige Besuche oder Telefonate. Und wenn dann die äußere Mobilität wegfällt, kann man die weiten Wege z. B. zu Residententreffen nicht mehr zurücklegen, öffentliche Verkehrsmittel sind nur unzureichend, deutschsprachige Veranstaltungen gibt es meist nur in Palma.

Darum ist es so wichtig, dass sich in den Gemeinden Menschen für Besuchsdienste finden lassen – und zwar wohnort-nah. Das ist hier, wo die Menschen ganz verstreut über die ganze Insel leben, wichtig, denn niemand wird wöchentliche Fahrzeiten von über 2 Stunden auf sich nehmen.

Das Projekt „Begleitung älterer, alleinstehender Personen“ ist uns seit längerer Zeit ein Herzensanliegen.

Mit Hilfe engagierter Menschen vor Ort und der HERZTAT – Stiftung wollen wir es jetzt konsequent anpacken.

 

Ihre Heike Stijohann